Krankenhauserfahrungen

Vor zwei Wochen musste ich mitten in der Nacht aufgrund einer akuten Erkrankung ins Krankenhaus. Nach Notaufnahme und intensive Untersuchungen zur genauen Diagnose sollte ich noch am gleichen Tag operiert werden. Als OP-Zeitpunkt wurde mir der späte Vormittag genannt, abgeholt zur OP wurde ich erst  gegen 15 Uhr. Dass ich auch in dieser langen Wartezeit ruhig bleiben konnte, habe ich sicherlich auch dem Achtsamkeitstraining zu verdanken. Mit Atemübungen konnte ich sehr gut im aktuellen Augenblick bleiben, und die Sorgen und Ängste, die sonst sicher gekommen wären, blieben einfach aus. Auch auf dem Weg in den OP habe ich mich noch mit dem Pfleger, der mein Bett schob, in aller Ruhe unterhalten können. So konnte ich wieder einmal eine positive Auswirkung des Trainings deutlich erleben.

In den folgenden Tagen vermisste ich, obwohl es mir noch nicht so sonderlich gut ging, schon wieder meine Kamera. Ich hatte vom Fenster meines Zimmers einen fantastischen Weitblick bis in die Rhön hinein.  Bei meinen kurzen Spaziergängen auf dem Stationsflur entdeckte ich interessante, z.T. sogar witzige Details und bei meinen ersten Ausflügen ins Freie sprangen mich im Cafe vor der Eingangshalle spannende Streetszenen regelrecht an. Ich fand das höchst interessant, auch ohne Kamera und eigentlich noch recht matt, von den Motiven regelrecht überwältigt zu werden.  Dennoch ist natürlich Krankenhaus und Fotografieren für mich undenkbar. Der aufmerksame fotografische und vielleicht auch achtsame Blick lockerte auf jeden Fall meine stupiden kleinen Spaziergänge auf.  Die Tage im Krankenhaus waren Tage zur allmählichen Genesung, die Zeit zum Fotografieren kommt auch wieder. Jetzt genieße ich es erst einmal wieder zuhause zu sein. Es geht aufwärts!

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Kommentare: 6
  • #1

    Kristin (Mittwoch, 26 Juli 2017 19:41)

    Ich finde großartig, wie einfach, klar und ehrlich, Du über Dich und Gefühle/Ängste schreibst.
    Kristin

  • #2

    elisabeth hase (Donnerstag, 27 Juli 2017 11:18)

    Dein Sehen im Fotografiermodus kann ich gut nachvollziehen. Mir geht es auch so, wenn die Kamera mal nicht dabei sein kann.Dir alles Gute und herzliche Grüße Elisabeth

  • #3

    Elfi C. (Donnerstag, 27 Juli 2017 12:04)

    Lieber Wilfried,
    wie wichtig dir die Kamera und die Bilder sind, schreibst du sehr eindrucksvoll in diesem Blog.
    Es ist gut, wenn man trotz einer schweren Erkrankung die schönen Dinge des Alltags - und sei es auch in der Klinik - erfassen kann und Sehnsucht hat, diese in jenem Augenblick mit der Kamera festzuhalten.
    Aber diese Momente sind in deinen Gedanken und gehören nur dir und das trägt auch zu einer schnellen und besseren Genesung bei.
    Ich wünsche dir weiterhin eine gute und schnelle Genesung.
    Liebe Grüße, Elfi C.

  • #4

    Urs (Dienstag, 01 August 2017 10:42)

    Lieber Wilfried, da ich in dieser Zeit in Russland war, habe ich erst jetzt von deinem Krankenhausaufenthalt erfahren. Ich wünsche dir alles Gute und eine baldige Genesung!
    Ja, ein so tolles Hobby wie das Fotografieren hilft, solche Momente zu überstehen! Das Bild zu deinem Blog ist Spitze!
    Liebe Grüsse
    Urs

  • #5

    Kathrin Clara Jantke (Mittwoch, 02 August 2017 08:44)

    Schön wen Du trotz der eigenen Krankheit und dem UNwohlsein den Blick für das Schöne und Interessante nicht verlierst und Dich auch in den schwierigen Situationen mit Achtsamkeit in ein erträgliches Sein retten kannst. Alles Liebe!!

  • #6

    Conny (Donnerstag, 03 August 2017 21:36)

    Das Fotografenauge bleibt einem und verkürzt einem sogar ohne Kamera die Zeit. Und ja, das Achtsamkeitstraining erleichtert es einem, mit Schmerzen umzugehen, auch mit dem Warten, egal wo.
    Bin froh, dass du wieder zuhause bist und sicher bald wieder ganz von deiner OP genesen!

    Liebe Grüße
    Conny