Entwicklungsprozess

Darunter verbirgt sich eigentlich eine eher technokratischer Begriff, ich will ihn hier bewusst für den achtsamen Umgang mit Bildern verwenden.

Ich fotografiere seit einigen Jahren ausschließlich in RAW, weil ich so aus den Bildern einiges oder auch viel mehr herausholen kann als die JPG-Verarbeitung der Kamera das tut. So finden sich z. B. in dunkleren Bereichen noch Feinheiten, die das JPG ignoriert. Das bedeutet aber auch, dass jedes einzelne Bild "entwickelt" werden will oder muss. Ich verwende dazu ausschließlich Lightroom, von Photoshop habe ich keine Ahnung. Ich nutze auch nur den Entwickeln-Modus von Lightroom. Die Bildverwaltung und Kategorisierung mit Sternchen etc. ist m. E. eher etwas für Profis. Lediglich bei SW-Bildern wie meinen Streets nutze ich noch Silver Effex Pro aus der Nik-Collektion, die es ja inzwischen kostenlos gibt und die ich nur empfehlen kann. 

Im Laufe der Zeit habe ich in Lightroom meinen eigenen Workflow entwickelt, lerne aber immer noch fleißig dazu. Diese Entwicklung von z. T.  hunderten von Bildern macht mir natürlich nicht immer Spaß. Mein Ziel ist es aber das Bestmögliche aus den Bildern herauszukitzeln, sie  nicht überzubearbeiten, wie man das im Netz leider häufig sieht. Das Gegenwärtige ist das Entscheidende. Und oft genug staune ich über die Ergebnisse. 

Wichtig ist es, sich auf jedes einzelne Bild einzulassen, ihm mit aller Offenheit zu begegnen. Immer wieder stelle ich mir dabei auch die Frage, was ich mit einem bestimmten Bild eigentlich zeigen wollte. Erinnerungen werden gegenwärtig. Bei diesem Prozess werden auch immer wieder Bilder gelöscht, weil sie doch nicht gut genug sind oder nicht (mehr) meinen Vorstellungen entsprechen. 

 

Während der Bildbearbeitung kehrt bei mir meist immer mehr Ruhe ein, ich vergesse die Zeit und bin in meinen Bildern. Dieser ganze Vorgang hat wegen seiner Gleichläufigkeit irgendwie schon etwas Meditatives. Das Spielen an den Reglern geschieht in aller Offenheit und auch in einer gewissen Orientierung an der gegenwärtigen Stimmung. Es kommt immer wieder vor, dass ich ein Bild einige Tage später noch einmal entwickele und das Ergebnis anders ausfällt. Das Gegenwärtige ist das Entscheidende. Und oft genug staune ich über die Ergebnisse. 

 

Ich kann nur jeder/jedem, der sich noch nie an RAWs versucht hat, es einmal auszuprobieren. Ihr werdet eure Bilder mit ganz anderen, ganz neuen Augen sehen. 


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Kommentare: 1
  • #1

    Detlef Stietzel (Freitag, 13 Januar 2017 10:39)

    Hallo WIlfried, wie du siehst, werde ich langsam ein Fan von deinem Blog. Mir gefällt, dass wir auf diese Art zusätzlich ein paar Gedanken austauschen können.
    Deine Intensionen kann ich Zeile für Zeile unterschreiben. Sich auf jedes Bild einzulassen, ist mir auch sehr wichtig. Dies ist ein Grund, warum ich keine Presets verwende. Mir fehlt nur noch das meditative Element. :)
    Ich habe in den letzten drei Jahren einen Bilderberg angehäuft, der Stück für Stück abgetragen werden muss. Ich nähere mich jedoch der Zielmarke und hoffe, dass dann etwas mehr Gelassenheit eintritt. So eine zeitliche Distanz hat jedoch auch Vorteile, man sieht seine Bilder mit anderen Augen, Oft übt der emotionale Moment des Auslösens eine Täuschung hinsichtlich der Bildqualität aus. Ich nutze LR, PS und auch hauptsächlich den SW-Filter von NIk. Bei LR fehlen mir die Ebenen.