Handyfotos und Achtsamkeit

Wir haben zur Zeit meinen 87jährigen Schwiegervater zu Besuch und wollen ihm natürlich Interessantes in der Rhön zeigen. Gleichzeitig will die weit verstreute Verwandtschaft mit Hilfe von WhatsApp über seinen "Urlaub" informiert werden. Der Einfachheit halber habe ich mein Smartphone zum Fotografieren genutzt. Spaß macht das keinen, von Achtsamkeit kann man da überhaupt nicht sprechen. Ich liebe einfach meine Nikon-DSRL, sie ist mein Achtsamkeitswerkzeug beim Fotografieren, sozusagen meine Meditationshilfe. Ich war arbeite meist mit Blendenvorwahl, also Zeitautomatik. Das gibt mir die Möglichkeit, sehr achtsam die Tiefenschärfe im Blick zu haben. Ganz wichtig ist mir auch die Belichtungskorrektur  (+/-), die ich sehr häufig nutze. Bei Handyfotos passiert alles automatisch und irgendwie zufällig. Und wenn ich Glück, ist das Bild wenigstens einigermaßen scharf. 

Ich nutze  lieber eine gewisse Einflussnahme auf das Resultat. Bildgestaltung durch Blenden- oder ggf. Zeitvorwahl. So komme ich eher zu einem Bild, das meinen Vorstellungen entspricht. Achtsamkeit und Handyfotos sind für mich nicht vereinbar. Achtsames Fotografieren ist auch bewusstes Gestalten des Fotografierens, Klickklackbildern fehlt da was. Gönnt euch eine vernünftige Kamera, es muss nicht gleich ein Spiegelreflexbolide sein, sie sollte aber manuelle Einstellungen ermöglichen. Mit einer simplen Automatik werden eure Bilder nicht das ausdrücken, was ihr ausdrücken wollt.  Das Motto "Eindruck verlangt Ausdruck", das in der Pädagogik seinen Sitz hat, gilt auch für das achtsame Fotografieren, ich kann meine Erfahrungen und Empfindungen nur dann fotografisch ausdrücken, wenn mir meine Kamera auch die nötigen Freiheiten lässt. 


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Kommentare: 4
  • #1

    Rainer Neumahr (Donnerstag, 13 Oktober 2016 15:42)

    Da können wir uns die Hand reichen Wilfried, genau nach der Vorgehensweiße (Blendenvorwahl, also Zeitautomatik) mache ich meine Fotos auch. Bei ganz schwierigen Lichtverhältnissen mache ich auch ab und zu eine Belichtungsreihe aus drei Fotos, da kann man die Überstrahlung bessr in den Griff bekommen.
    LG Rainer

  • #2

    Karlheinz Siegmund (Freitag, 28 Oktober 2016 12:52)

    Lieber Wilfried,

    ein wenig muss ich da widersprechen.

    Ich denke, man kann durchaus auch mit einem Smartphone achtsam fotografieren. Die Achtsamkeit hängt weniger von der Technik ab, sondern mehr von der Fähigkeit, Motive zu erkennen, denen der Achtsamkeitsaspekt anhängt. Gestalterisch ist sicherlich eine hochwertige Ausrüstung mit manuellen Einstellmöglichkeiten erste Wahl. Aber dann bin ich auch wieder mit vielen Dingen beschäftigt, welche sehr zielgerichtet und mit Erwartungen (wie das Bild werden soll) beschäftigt, und nicht damit, wie das Bild ist.Da kann die Achtsamkeit auch verloren gehen. Da beschäftige ich mich eben auch viel mit den Randbedingungen.

    Ich fotografiere selbst ja auch nicht mit dem Smartphone, sondern trage einige Kilos Ausrüstung mit mir herum. Mein Smartphone hat eine miese Bildqualität, die Kamera taugt höchstens dazu, als Erinnerungsstütze zu dienen, wenn ich z.B. ein interessantes Schild im Sinne von "Wohnung zu vermieten" unterwegs gesehen habe.

    Ich kenne aber auch Menschen (meine große Tochter inbegriffen), die mit Ihrem Handy ganz unbefangen an Motive herangehen, das Gefühl des Augenblicks sehr gut einfangen und beeindruckende Bilder machen, mit manchmal erstaunlich guter Bildqualität, und das auch mit den Einschränkungen des Gerätes.

    Abwertung dieser Art, zu Fotografieren, wird dem Ergebnis nicht immer gerecht.

    Herzliche Grüße
    Karlheinz

  • #3

    Wilfried Humann (Freitag, 28 Oktober 2016 18:22)

    Lieber Karlheinz,
    danke für deinen kritischen Kommentar, deinen Widerspruch kann ich schon nachvollziehen. Ich habe meine Erfahrungen und Erkenntnisse beschrieben. Und da geht achtsames Fotografieren nur mit einer richtigen Kamera. Wenn ich die dabei habe, wird auch mein Blick achtsam und sieht überall Motive. Wenn ich sie zuhause lasse, ist meine Achtsamkeit auf etwas Anderes gerichtet. Das Smartphone löst meinen achtsamen Blick nicht aus. Ich muss dir aber zugestehen, dass mein Smartphone einerseits keine gute Kamera hat und dass ich erst seit wenigen Monaten eines besitze, weil ich mich lange verweigert habe. Sicherlich kann man auch mit einem Smartphone achtsam fotografieren, aber ich kann das nicht - oder vielleicht will ich es auch nicht. Bei meiner Kamera nutze ich auch Automatikfunktionen, ganz ins Manuelle verfallen möchte ich nicht mehr. Das habe ich in meinen Anfangsjahren des Fotografierens lange genug gemacht. Da war die Technik zu sehr im Vordergrund. Heute sind mir doch die Motive wichtiger. Auf jeden Fall nochmals danke für deine sehr bedenkenswerte Kritik.

    LG Wilfried

  • #4

    Cornelia Schorr (Freitag, 28 Oktober 2016 22:24)

    Oh, da muss ich auch vehement widersprechen. Ich selbst bekomme mit dem Phone nix Gescheites hin, aber eine Bekannte fotografiert, obwohl Spiegelreflexkamera zu Hause habend, nur noch mit dem Phone, sie hat eine sehr spezielle Sichtweise fürs Motiv, sehr minimalistisch, abstrahierend, manchmal auch malend. Es ist die Beschränkung auf ein Medium, eine Brennweite, eine Sichtweise - das würde ich durchaus achtsam nennen!