Frühlingsgefühle?

Wer wünscht sich derzeit nicht einen baldigen Frühling herbei. Stattdessen ist draußen alles trist und grau. Die Bäume stehen als kahle Gerippe da. Am vergangenen Samstag haben wir mit vereinten Kräften die Hecken und Bäume in unserem Garten geschnitten - was dringend nötig war. Aber jetzt sieht der Garten noch leerer aus. Das Grün fehlt. Und es fehlt auch meiner neuen Kamera, deren X-Trans-Sensor ja so sehr auf grün steht, dass er noch mehr Grünpunkte als die anderen Sensoren hat. Ich selbst wünsche mir auch den Frühling herbei, um die neue Kamera ausgiebig im Freien zu testen, ihre Farben auszuprobieren und um sie natürlich endlich einmal mit meiner "alten" Nikon-DSLR zu vergleichen. Bisher habe ich sie eher im Haus getestet und sogar ein paar eigentlich eher ungeliebte Makroaufnahmen gemacht.

 

Frühlingsgefühle wecken ja angeblich auch wieder unsere Lebensgeister. In der Natur wird alles wieder wie neu, und das steckt an. Überall lese ich die Wünsche nach Frühling oder sehe auch in den verschiedenen Fotocommunities Bilder vom letztjährigen Frühling oder von den wenigen kleinen Blümchen, die jetzt schon da sind. So blühen jetzt Schneeglöckchen und Winterlinge, die ja eigentlich von ihrem Namen her beide eher noch auf den Winter verweisen. Die Meteorologen sprechen zwar schon ab dem 1. März vom meteorologischen Frühling. Dennoch haben wir immer noch Winter, und dazu gehören auch Kälte Regen, Stürme und vielleicht auch noch Eis und Schnee. Viele klagen über das Wetter, auch ich manchmal - aber der Frühling beginnt erst Ende März und dann gibts im Mai noch die Eisheiligen. Ein später Frost kann dann viel verfrühte Arbeit im Garten zerstören.

Unser und auch immer wieder mein Problem ist dabei, dass wir uns etwas zu sehr  herbeiwünschen wie hier z. B. den Frühling oder auch den nächsten Urlaub im Süden. Leben geschieht aber nicht in den Wünschen oder in der Zukunft. Leben geschieht immer jetzt. Auch wenn ich mich schon seit vielen Jahren in der Achtsamkeit übe, ertappe ich mich immer wieder gedanklich deutlich in der Zukunft. Wobei ich das auf keinen Fall hier verurteilen möchte, dann müsste ich mich ja auch selbst verurteilen. Nicht zu urteilen oder zu beurteilen ist eine wesentlicher Aspekt der Achtsamkeit. Ich sehe solche Gedanken, wenn sie mir auffallen, eher als ein Signal wieder mehr in der Gegenwart zu sein. So wie ich jetzt an meinem Schreibtisch in meinem gut geheizten Arbeitszimmer sitze und diesen Post schreibe. Ich höre die Heizung brummen und draußen den Wind ums Haus pfeifen und fühle mich richtig wohl jetzt so im warmen Zimmer. Die Gegenwart kann auch schön sein. Mit meiner neuen Kamera kann ich jetzt besser ISO-Tests machen als an den langen Tagen im Hochsommer. Das schlechte Wetter gibt mir auch die Möglichkeit jetzt noch einiges im Haus in Ordnung zu bringen bevor die Gartensaison wieder beginnt. Jede Zeit gilt es zu nutzen. 

 

Fotografisch nutze ich die Zeit auch indem ich die Bilderordner auf meinem PC endlich mal aufräume, Platz schaffe und vor allem mal wieder ausführlich sichere. Weniger wichtigere Bilder aus den vergangenen Monaten warten noch auf ihr Entwicklung aus den RAW-Dateien. Ein Fotobuchgutschein will noch eingelöst werden. Das Erstellen dieses Buches und das In-Der-Hand-Halten des Resultats sind auch schöne Momente. Also heißt es mit den Frühlingsgefühlen noch etwas zu warten und die gegenwärtige Zeit auszufüllen und zu genießen.