Wintertraum und Zahnschmerzen

Draußen ist alles dick verschneit, die Sonne scheint, der Schnee glitzert. Und ich will raus zum Fotografieren. Ich sehe schon Motive beim Blick aus dem Fenster. Nur plagen mich seit Tagen diffuse Zahnschmerzen, die in der Kälte schlimmer werden. Beim Zahnarzt war ich schon, der hat aber nichts gefunden außer einer leichten Zahnfleischentzündung. Da wirds schwer mit der Achtsamkeit. Also bleibe ich lieber drinnen, bewundere die herrliche Natur durchs Fenster und verzichte aufs Fotografieren. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich ja in den vergangenen Jahren schon ähnliche Bilder gemacht habe. Aber das Gegenwärtige ist ja das Besondere, das ich auskosten möchte. Das Fotografieren ist für mich ein Erleben und das vermisse ich. Alte Bilder anschauen ist zwar auch ganz interessant, wenn ich aber immer wieder im Sinne der Achtsamkeit versuche im Gegenwärtigen zu sein, fehlt da etwas. Mir fallen sehr ähnliche Situationen ein, wenn ich unterwegs war, tolle Motive gesehen - sie mir vielleicht sogar direkt ins Auge gesprungen sind - und ich die Kamera nicht dabei hatte oder gerade der Akku leer war und ich keinen vollen dabei hatte. Es bringt nichts solchen verpassten Gelegenheiten, die es immer wieder geben wird, nachzutrauern. Es kommen immer wieder neue Motive auf mich zu. 

Jetzt sitze ich gerade wieder beim Zahnarzt, übe mich vorbereitend in Achtsamkeit. Ich hoffe, er kann mir helfen. Vielleicht kann ich ja dann in den nächsten Tagen noch einige Bilder machen. Es werden nicht die sein, die ich schon gemacht hätte. Ein Bild zeichnet immer die aktuellen Gegenwart auf, ist ein Abbild der jeweiligen Gegenwart.

Ein Bild kann ich immer nur jetzt machen. Ich kann keine Bilder nachholen, irgendetwas wird immer anders sein. Es gibt immer wieder neue Chancen für ein neues Bild. Das Fotografieren selbst ist ja für mich der spannende und gegenwärtige Prozess. Schön, wenn die Bilder gelungen sind. Aber oft sind sie später gar nicht mehr so interessant. Das fällt zumindest mir immer wieder auf. 

P.S.: Der Zahnarzt hat trotz Röntgen und verschiedener Tests nichts Konkretes gefunden. Jetzt heißt es abwarten,ob die die Schmerzen wieder vergehen - was ich hoffe - oder sich konkretisieren. Auch das verlangt von mir Achtsamkeit, nicht vorausschauend Schlimmes befürchten, sondern in der Gegenwart bleiben und feststellen, dass die Schmerzen aushaltbar sind. Den Blick weiten für das Gegenwärtige und den Atem immer wieder als Anker suchen, das hilft zumindest mir. Auch in der Wartezeit auf dem Zahnarztstuhl habe ich wieder meinem Atem vertraut.


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Kommentare: 3
  • #1

    Karlheinz (Freitag, 20 Januar 2017 17:11)

    Ein wunderschönes Bild zu diesem Text.
    Ja, man kann ein nicht gemachtes Bild nicht nachholen.
    Inspiration ist es aber allemal!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

    Karlheinz

  • #2

    Rainer Neumahr (Montag, 23 Januar 2017 18:50)

    Einfach toll deinen Text zu lesen. Habe in 14 Tagen auch eine Kiefer OP, ich werde deine Worte mit hinnehmen.
    Hatte mal ähnliches mit meinen Zähnen, da wurde auch nichts gefunden. Habe dann aber festgestellt, dass es nervlich bedingt bei mir auftritt.
    Seit ich Achtsmkeitsmeditation und Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson mache, habe ich jetzt schon sehr lange keine Zahnschmerzen mehr gehabt.
    LG Rainer

  • #3

    Elisabeth Hase (Donnerstag, 26 Januar 2017 07:40)

    Deinen Text kann ich in vielen Dingen gut nachvollziehen, am meisten geht es mir bei den verpassten Fotomöglichkeiten, ob nun im Auto sitzend, oder ohne Batterie, genau wie dir. Hier kann man dann Gelassenheit üben.
    "Fotografieren verboten" nehme ich jetzt als Chance wahr, mich auf eine andere Art den schönen Dingen zu nähern und es war zwar anders, aber auch gut.
    Den Gedankengang, bei Zahnschmerzen in der Gegenwart zu bleiben, fand ich hilfreich.
    LG Elisabeth