Geoutet

Ja , ich habe mich geoutet. Gestern Abend besuchte ich ein Konzert des "Frankfurt Jazz Trio". Schon im Foyer traf ich den Reporter der regionalen Tageszeitung, einen weitläufigen Bekannten. Seine Frage: "Bist du ein Jazz-Fan?" bejahte ich ausdrücklich. Seine Fragestellung und seine Mimik deutete ich in die Richtung, wie kann man sich so etwas nur freiwillig anhören. Er ging auch in der Pause. Oder wie ich nach dem Konzert als Stellungnahme von zwei Frauen beim Hinausgehen hörte: Na ja, war mal was anderes." Bei der Spielfreude der drei Protagonisten, die sich an diesem Abend getroffen haben, oute ich mich gerne. Alle drei sind excellente Musiker, die jeder für sich in verschiedensten Gruppierungen immer wieder mit anderen Musikern zusammenspielen. Gestern trafen sie sich als "Frankfurt Jazz Trio". Jeder brachte Stücke mit, das Programm entstand spontan an diesem Tag und änderte sich sogar noch während des Konzerts. Es war spannend das gegenseitige blinde Vertrauen zu beobachten. Ein fragender Blick, ein Augenzwinkern oder ein Kopfnicken reichten zur Verständigung aus. Keiner spielte sich in den Vordergrund. Auch das sind Ausdrücke von Achtsamkeit. Sie hatten einfach Spaß. 

Heute habe ich mal gedacht, eine solch blindes Vertrauen wünsche ich mir manchmal zwischen mir und meiner Kamera. Das Problem liegt u. a. darin, dass sie mehr kann, als ich jemals brauchen werde. Im Automatikmodus schlägt sie mir manchmal Zeit-, Blenden- und Iso-Kombinationen vor, die ich nicht  nachvollziehen kann. Zum Glück nutze ich diesen Modus eher selten. Sie hat die verschiedensten Programmmodi von Sport über Porträt bis Feuerwerk und Sonnenuntergang. Auch die brauche ich nicht. Sie lässt sogar Programmierungen durch mich zu, warum traut sie mir das zu? Ich nutze in der Regel wie schon zu Zeiten der analogen Fotografie die Zeitautomatik, gebe der Iso-Automatik einen gewissen Freiraum, weiß wie ich Belichtungsmessung und Autofokus steuern kann  und reduziere die Belichtung aus Erfahrung in der Regel um 0,3. Also brauche ich das blinde Vertrauen doch nicht. Ich muss lediglich das wirklich blind beherrschen, was ich von den vielen Möglichkeiten brauche. Dann kann ich mit wachem achtsamen Blick auch meinen Spaß mit ihr haben. Und ich habe nicht das neueste und aktuellste Spitzenmodell, sondern nur eine D7100 von Nikon. 


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Kommentare: 3
  • #1

    Rainer Neumahr (Mittwoch, 09 November 2016 19:50)

    Einfach klasse dein Beitrag "GEOUTET".
    Ich babe zwar eine Vollformatkamera, die hat auch die verschiedensten Programmmodi.
    Nutze aber auch fast 90 Prozent die Zeitautomatik.
    Habe mich mal wieder mit der Doppelbelichtung beschäftigt und was ich jetzt öfters bei schwierigen Lichtverhälnissen versuche ist die Belichtungsreihe aus 3 bis 5 Aufnahmen. Damit kann man die Überstrahlungen besser in den Griff bekommen.
    LG Rainer

  • #2

    christa (Mittwoch, 09 November 2016 19:56)

    Wr sehr interessant zu lesen....
    lg christa

  • #3

    Conny Schorr (Mittwoch, 09 November 2016 23:07)

    Dito :-)
    Wobei das mit dem "blind beherrschen" manchmal schwierig ist, weil ich mit insgesamt 4 verschiedenen Kameras von unterschiedlichen Herstellern fotografiere... da versucht manchmal schon mit dem falschen Knöpfchen den Fokuspunkt zu verlegen.

    LG Conny